| Aus Sicht eines Patienten Hallo und guten Tag, heute kommen Sie zum ersten Mal zu einem Treffen der Notbremse e. V. Klar, das Herz pocht. Sie sind – und das waren wir alle – heute etwas unsicher. Ich bin selbst seit 2003 Schmerzpatient und kenne diese Situation genau. Daher möchte ich Ihnen einige wichtige Punkte benennen von denen ich weiß, dass eben nicht jeder bereits diese Informationen hat. Wie auch gerade nach der Diagnose „Schmerzpatient“sind wir in den Grundfesten erschüttert und unser Denken geht in andere Richtungen. Aber nur Mut, es wird vorangehen, diese Erfahrung hat jeder hier gemeinsam mit den Ärzten und dem Praxispersonal gemacht. Nun versuche ich mal eine Zusammenstellung der aus meiner gemachten Erfahrung wichtigsten Punkte aufzulisten - wenn Sie weitere Ideen und Fragen haben – bitte melden dann arbeite ich das mit ein. Also an was sollten wir denken, damit wir unser Leben wieder richtig in den Griff bekommen ? Zuerst das Administrative und dann das was uns Spaß macht! Zuerst einmal beantragen Sie bei Ihrer Gemeinde bzw. Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis, die Mitarbeiter dort werden Ihnen die notwendigen Hilfestellungen geben, sie können damit Freibeträge bei der Einkommenssteuer beantragen und manches mehr, sprechen Sie hierüber auch mit Ihrem Steuerberater. Mit den entsprechenden Zusätzen haben Sie auch Anrecht auf einen Parkausweis. Thema EU – Erwerbsunfähigkeitsrente: Es kann passieren, dass Sie nach einigen Monaten von Ihrer Krankenkasse angeschrieben werden, eine REHA mit dem Ziel der Gesundung und damit Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zu beantragen. Dies kann aber bei Kranken auch der Absturz zu HARTZ 4 bedeuten. Sollte die Eingliederung nicht gelingen, wird automatisch ein Rentenantrag gestellt. Kümmern Sie sich am besten selbst darum, gehen Sie aktiv zu einem Rentenberater, Fachanwalt oder direkt zur Deutschen Rentenversicherung Bund. Danach treffen Sie die für Sie beste Entscheidung. Außerdem, sollten Sie unter 60 Jahren sein und EU verrentet werden, legen Sie Widerspruch gegen diesen Bescheid ein bzw. lassen Sie ältere Bescheide überprüfen, denn das BSG hat im Mai 2006 (AZ B 4 RA 22 / 05 R) entschieden, dass die Regelung vom Jahr 2001, 10,8% von der EU Rente abzuziehen, nicht rechtens ist. Gegen dieses Urteil kann keine Revision mehr zugelassen werden, aber jeder muss es wohl selbst vor Gericht neu er streiten. Das bedeutet, dass Sie einen widerspruchsfähigen Bescheid benötigen, gegen den Sie klagen können und müssen. Es empfiehlt sich die Hilfe eines Anwalts in Anspruch zu nehmen denn, es geht um richtig viel Geld. Nun zu Thema Krankenkasse, wir als chronisch kranke müssen ja besondere Zuzahlungen leisten, was ist da zu tun? Wenn der Arzt bei Ihnen eine chronische Schmerzerkrankung diagnostiziert hat, dann können wir nach einem Jahr bei der Krankenkasse als Chroniker geführt werden. Das bedeutet, dass wir nach einem Jahr mit 1% Zuzahlung aus unseren Gesamteinkünften unsere Zuzahlung abgegolten haben und dadurch für das restliche Jahr mit einer Befreiungskarte, diese gilt auch für den Ehepartner, ausgerüstet werden. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse. Was mir in vielen Gesprächen noch so aufgefallen ist: Gehen Sie offensiv mit Ihrer Krankheit um, das soll bedeuten sprechen Sie mit Ihrer Familie, Ihren Lebenspartner/innen, Freunden, Bekannten ruhig über das was sie beschäftigt. Suchen sie Hilfe und Unterstützung bei Gleichgesinnten wie z. Bsp. In einer Selbsthilfegruppe. Sprechen Sie regelmäßig mit Ihren Ärzten über Ihren Gesundheitszustand, wir müssen verstehen, was mit uns und in uns geschieht. Unsere Ärzte können dies gut vermitteln. Scheuen Sie sich nicht auch Hilfe bei einem Psychologen zu suchen. Denken Sie immer daran wie sagte die Maus in der Kindersendung, wer nicht fragt bleibt dumm oder unwissend. So, nun fällt mir momentan nichts weiteres mehr ein, es ist fürs erste ja auch genug. Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass dieser Leitfaden Ihnen nutzt und Ihre Situation erleichtert. Und zum Schluss das Motto der Optimisten: Das Glas ist nie halb leer-sondern immer halb voll! Claus Buchhorn 1. Vorsitzender Notbremse e. V. |